Kurz gesagt
Eine Hochzeitszeitung ist ein selbstgemachtes Heft mit Steckbriefen, Interviews, Kinderfotos und Anekdoten, das Trauzeugen, Geschwister oder enge Freunde als Überraschung für das Brautpaar bauen. Geplant wird rückwärts ab dem Trautag: Start sechs Monate vorher, Redaktionsschluss zehn Wochen vorher, Druckauftrag vier Wochen vorher. Üblich sind 16 bis 32 Seiten, bei Klammerheftung muss die Seitenzahl durch vier teilbar sein.
Die Hochzeitszeitung ist das Geschenk, dessen Wert nicht am Preis hängt, sondern an der Arbeit, die darin steckt. Sie ist ein selbstgemachtes Heft voller Steckbriefe, Interviews, alter Kinderfotos und Anekdoten, das am Trautag auf den Tischen liegt und Jahre später noch im Regal steht. Gemacht wird sie fast immer von Trauzeugen, Geschwistern oder engen Freunden, nie vom Brautpaar selbst.
Ideen: was in eine Hochzeitszeitung gehört
In eine Hochzeitszeitung gehören ein Titelblatt, ein Steckbrief von Braut und Bräutigam, Interviews mit Eltern, Trauzeugen und Freunden, Anekdoten aus der Kennenlernphase, Kinderfotos, ein Rätsel oder Quiz und Glückwunschseiten der Gäste. Bewährt hat sich eine Mischung aus Text, Bild und Mitmach-Seiten: Reine Textwüsten liest auf einer Feier niemand zu Ende.
Die folgende Tabelle zeigt die Rubriken, die sich in fast jeder Zeitung wiederfinden, mit einem realistischen Seitenumfang für ein Heft von 24 Seiten. Streicht, was zu eurem Brautpaar nicht passt, statt alles unterzubringen.
| Rubrik | Was sie leistet | Umfang |
|---|---|---|
| Titelblatt | Zeitungsname, Datum des Trautags, ein starkes Paarfoto | 1 Seite |
| Editorial der Redaktion | Wer die Zeitung gemacht hat und warum, plus Dank an die Beitragenden | 1 Seite |
| Steckbriefe | Braut und Bräutigam nebeneinander, gleiche Fragen, unterschiedliche Antworten | 2 Seiten |
| Die Kennenlerngeschichte | Der rote Faden des Hefts, erzählt aus zwei Perspektiven | 2 Seiten |
| Interviews | Eltern, Geschwister, Trauzeugen und Freunde antworten auf denselben Fragebogen | 4 bis 6 Seiten |
| Kinderfotos und Zeitstrahl | Der Bildteil, den alle zuerst aufschlagen | 2 bis 4 Seiten |
| Anekdoten und Pannen | Kurze Geschichten von Freunden, die das Paar selbst halb vergessen hat | 2 bis 3 Seiten |
| Rätsel und Quiz | Mitmach-Teil für die Wartezeiten zwischen den Programmpunkten | 2 Seiten |
| Glückwünsche und Ratschläge | Kurze Beiträge vieler Gäste, gut geeignet, um Lücken zu füllen | 2 bis 4 Seiten |
| Rückseite | Impressum der Redaktion, ein letztes Foto oder ein Ausblick auf die Ehe | 1 Seite |
Zwei Rubriken tauchen häufig auf und lohnen sich trotzdem selten: nachgestellte Werbeanzeigen und Horoskope. Beide sind aufwendig zu bauen und werden auf der Feier kaum gelesen. Wenn ihr Platz habt, sind zusätzliche Interviewseiten die bessere Investition.
Der Zeitplan rückwärts ab dem Trautag
Eine Hochzeitszeitung scheitert fast nie an der Idee, sondern am Kalender: Beiträge kommen zu spät, das Layout wird in einer Nachtschicht zusammengeschoben, und die Druckerei liefert zwei Tage nach der Feier. Deshalb wird nicht vorwärts geplant, sondern rückwärts vom Trautag aus. Jeder Schritt bekommt ein Datum, bevor der erste Text geschrieben ist.
| Zeitpunkt | Was passiert |
|---|---|
| 6 Monate vorher | Team zusammenstellen, Rollen verteilen, Konzept und Seitenzahl festlegen, Budget klären |
| 5 Monate vorher | Anschreiben mit Fragebogen an alle Beitragenden, Fotomaterial bei den Eltern anfragen |
| 3 Monate vorher | Erste Erinnerung, Zwischenstand sichten, fehlende Rubriken neu vergeben |
| 10 Wochen vorher | Redaktionsschluss, danach zwei Wochen Nachfassen bei den Nachzüglern |
| 8 Wochen vorher | Druckerei vorauswählen und ihr Datenblatt holen, dann Layout bauen, Texte kürzen, Bilder platzieren |
| 6 Wochen vorher | Korrekturlesen durch zwei Personen, Druckdaten als PDF anlegen |
| 4 Wochen vorher | Druckauftrag vergeben, Auflage und Bindung festlegen |
| 2 Wochen vorher | Lieferung prüfen, Hefte zählen, sicher verstecken |
| Trautag | Zeitungen zur Location bringen und in einer Programmlücke verteilen |
Sechs Monate klingen viel, sind aber genau die Zeit, die das Einsammeln der Beiträge frisst. Wer später einsteigt: Drei Monate sind das absolute Minimum, dann verkürzt ihr die Sammelphase und setzt den Redaktionsschluss auf acht Wochen vor dem Trautag. Unter zwei Monaten wird es zu einer Nachtschicht mit Copyshop am Morgen.
Sechs Monate vorher: Redaktionsteam und Konzept
Meist übernehmen Trauzeugen, Geschwister oder enge Freunde die Hochzeitszeitung. Bewährt hat sich ein Team aus drei bis fünf Personen mit klaren Rollen, statt einer Gruppe, in der sich alle für alles zuständig fühlen:
- Redaktionsleitung: führt die Liste, wer was liefert, setzt Fristen und fasst nach. Eine Person, nicht zwei.
- Textredaktion: sammelt Antworten ein, kürzt sie auf Länge und macht aus Stichworten lesbare Absätze.
- Bildredaktion: fragt Fotos bei den Eltern an, scannt alte Abzüge und sortiert sie nach Rubriken.
- Layout: baut die Seiten und ist am Ende auch für die Druckdaten verantwortlich.
- Kasse und Druck: holt Angebote ein, sammelt Geld ein und gibt den Auftrag ab.
Verteilt die Rollen nach Stärken, nicht nach Nähe zum Brautpaar: Wer gern schreibt, übernimmt die Texte, wer ohnehin fotografiert oder gestaltet, die Bilder und das Layout, und wer im Freundeskreis als zuverlässig gilt, die Redaktionsleitung.
Bei kleinen Teams übernimmt eine Person mehrere Rollen, nur Redaktionsleitung und Layout sollten nicht in einer Hand liegen: Wer selbst gestaltet, hat am Ende keine Kapazität mehr, hinter Beiträgen herzutelefonieren. Wenn die Trauzeugen ohnehin schon den Junggesellenabschied und die Rede planen, lohnt es sich, die Zeitung bewusst an Geschwister oder ein zweites Freundespaar abzugeben. Welche Aufgaben klassisch bei den Trauzeugen liegen, steht im eigenen Ratgeber. Wer noch am Anfang steht, findet Auswahl und Zeitpunkt unter Trauzeugin fragen.
Beim ersten Treffen des Teams fallen drei Entscheidungen, die alles Weitere bestimmen: das Format (meist DIN A5 oder DIN A4), die Seitenzahl und der Ton. Beim Ton lohnt sich eine ehrliche Absprache: Eine Zeitung, die durchgehend auf Peinlichkeiten aus der Vergangenheit zielt, wird von einem Teil der Gäste vor den Eltern des Brautpaars gelesen. Als Faustregel gilt: Was ihr dem Brautpaar nicht vor seiner Schwiegermutter erzählen würdet, kommt nicht ins Heft.
Geheimhaltung organisieren
Die Zeitung soll eine Überraschung bleiben und genau daran scheitert sie oft: Ein Familienchat, in dem jemand versehentlich das falsche Foto postet, reicht. Legt die Regeln deshalb beim ersten Treffen fest:
- Eine eigene Mailadresse für die Redaktion statt des privaten Postfachs des Trauzeugen, in das womöglich auch das Brautpaar schaut.
- Eine eigene Gruppe ohne Brautpaar, und zwar eine neu erstellte, nicht die umbenannte Familiengruppe.
- Ein Ablageort, auf den das Brautpaar keinen Zugriff hat: kein geteilter Cloud-Ordner, der aus der Hochzeitsplanung stammt.
- Ein Codewort für das Projekt, damit Gespräche in Anwesenheit des Paares nicht auffliegen.
- Eine Lieferadresse für den Druck, die nicht die des Brautpaars ist. Das wird erstaunlich oft vergessen.
Sagt allen Beitragenden im Anschreiben ausdrücklich, dass es eine Überraschung ist. Die meisten Pannen entstehen nicht im Team, sondern bei einer Tante, die sich freundlich beim Brautpaar für die schöne Idee bedankt.
Fünf bis drei Monate vorher: Beiträge einsammeln
Das Einsammeln ist der Teil, der die meiste Zeit kostet und den fast alle unterschätzen. Der Grund ist einfach: Eine offene Bitte wie "Schreib doch was für die Hochzeitszeitung" produziert keine Beiträge, sondern schlechtes Gewissen. Wer stattdessen konkrete Fragen, eine Wortzahl und ein Datum bekommt, antwortet.
Verschickt deshalb kein Aufruf, sondern ein Paket: kurzes Anschreiben, dazu genau der Fragebogen, der zu diesem Adressaten passt. Die folgenden Vorlagen könnt ihr eins zu eins übernehmen und nur die Namen und Daten austauschen.
Vorlage: Anschreiben an die Beitragenden
Ein gutes Anschreiben ist kurz, nennt genau eine Frist und macht klar, wie viel Arbeit gemeint ist. Diese Vorlage funktioniert für Mail und Messenger:
Liebe/r [Name],
am [Datum] heiraten Anna und Ben, und wir bauen ihnen als Überraschung eine Hochzeitszeitung. Du gehörst zu den Menschen, die in diesem Heft auf keinen Fall fehlen dürfen.
Unten findest du ein paar Fragen. Du musst nicht alle beantworten, drei bis fünf reichen völlig. Stichworte sind ausdrücklich erlaubt, wir machen daraus lesbare Sätze. Wenn du magst, schick uns dazu ein bis zwei Fotos, gern auch alte, gern schlecht belichtete.
Umfang des fertigen Beitrags: etwa eine halbe Seite im Heft, also 150 bis 250 Wörter. In Stichworten reicht entsprechend weniger.
Frist: [Datum], das ist unser Redaktionsschluss.
Zurück an: [Mailadresse der Redaktion].Wichtig: Anna und Ben wissen nichts davon. Bitte erwähne die Zeitung ihnen gegenüber nicht, auch nicht als Andeutung.
Danke dir
[Name der Redaktion]
Zwei Details machen den Unterschied: die konkrete Wortzahl und die ausdrückliche Erlaubnis, in Stichworten zu antworten. Beides senkt die Hemmschwelle bei allen, die von sich sagen, sie könnten nicht schreiben.
Steckbrief: die Fragen zum Kopieren
Der Steckbrief ist die Rubrik, die am zuverlässigsten funktioniert, weil Braut und Bräutigam dieselben Fragen getrennt voneinander beantworten und die Antworten im Heft nebeneinander stehen. Die Abweichungen sind der Witz: Wer sich beim Kennenlerndatum um ein halbes Jahr irrt, liefert die beste Pointe der Zeitung.
Schickt den Bogen an eine dritte Person, die im Alltag Zugang zum Paar hat, etwa die beste Freundin oder den Bruder. Sie stellt die Fragen beiläufig und leitet die Antworten weiter, ohne dass die Überraschung auffliegt.
Zur Person
- Wie stellst du dich in drei Worten vor?
- Was ist dein Lieblingsplatz in eurer Wohnung?
- Welches Gericht kochst du, wenn du beeindrucken willst?
- Was liegt seit Jahren in deiner Schublade und wird nie benutzt?
- Welches Lied kennst du auswendig, ohne es zu wollen?
- Wofür stehst du morgens freiwillig früher auf?
Über euch beide
- Wann und wo habt ihr euch zum ersten Mal gesehen?
- Was war dein erster Gedanke dabei, ehrlich?
- Wer hat den ersten Schritt gemacht, und wie lange hat es gedauert?
- Was war euer erster gemeinsamer Urlaub, und was ist dabei schiefgegangen?
- Welche Angewohnheit deines Partners hat dich anfangs genervt und findest du heute gut?
- Worüber streitet ihr zuverlässig, ohne dass es ernst wird?
- Wer räumt auf, wer kocht, wer plant den Urlaub?
- Welches Möbelstück habt ihr gemeinsam aufgebaut und beinahe bereut?
- Was kann dein Partner besser als du?
Zur Hochzeit
- Wie kam der Heiratsantrag, und hast du etwas geahnt?
- Worauf freust du dich am Trautag am meisten?
- Wovor hast du am meisten Respekt?
- Welchen Programmpunkt hast du heimlich durchgesetzt?
- Was darf auf gar keinen Fall passieren?
Ausblick
- Wo seht ihr euch in zehn Jahren, ganz konkret: Wohnung, Ort, Alltag?
- Was möchtest du gemeinsam gelernt haben, bevor ihr Silberhochzeit feiert?
- Welchen Rat würdest du euch beiden von heute in zehn Jahren geben?
- Welches Versprechen gibst du, das nicht in der Trauung vorkommt?
24 Fragen sind für zwei Doppelseiten deutlich zu viel. Sammelt alle Antworten ein und wählt am Ende die zehn bis zwölf aus, bei denen Braut und Bräutigam am weitesten auseinanderliegen.
Texte von Eltern und Freunden: die Fragebögen
Beim Interview gilt derselbe Grundsatz: Je konkreter die Frage, desto brauchbarer die Antwort. "Erzähl doch was über Ben" bringt drei höfliche Sätze, "Woran hast du gemerkt, dass es diesmal ernst ist?" bringt eine Geschichte. Verschickt an jede Gruppe nur ihren eigenen Block, nicht den ganzen Katalog.
An die Eltern
- Was war das erste Wort eures Kindes, und was hat es damit gemeint?
- Welche Marotte aus der Kindheit ist bis heute geblieben?
- Was wollte euer Kind mit acht Jahren unbedingt werden?
- Woran habt ihr gemerkt, dass diese Beziehung anders ist als die davor?
- Was habt ihr beim ersten Kennenlernen des Partners gedacht, und stimmt das noch?
- Welchen Satz wolltet ihr eurem Kind schon lange sagen und habt es nie getan?
An Trauzeugen und beste Freunde
- Wie habt ihr euch kennengelernt, und wie lange kennt ihr euch schon?
- Was war euer dümmster gemeinsamer Plan, und wie ist er ausgegangen?
- Wann hat dein Freund zum ersten Mal von seinem Partner erzählt, und wie klang das?
- Woran hast du gemerkt, dass es diesmal ernst ist?
- Welche Eigenschaft schätzt du an ihm, die andere kaum mitbekommen?
- Was hat sich verändert, seit die beiden zusammen sind?
- Was wünschst du den beiden, das nichts kostet?
An Geschwister und Cousins
- Worum habt ihr euch als Kinder am häufigsten gestritten?
- Welche Geschichte aus eurer Kindheit erzählt ihr euch bei jedem Familienfest?
- Wofür hast du deinen Bruder oder deine Schwester früher beneidet?
- Was hat euer Elternhaus geprägt, das jetzt in die neue Ehe mitkommt?
An Kollegen und Vereinsfreunde
- Wie ist er oder sie an einem normalen Arbeitstag, in einem Satz?
- Welche Aufgabe übernimmt er immer freiwillig, welche nie?
- Woran habt ihr gemerkt, dass da jemand Neues im Leben ist?
- Was fehlt euch, wenn er zwei Wochen in den Flitterwochen ist?
Wer sowieso am Trautag spricht, sollte doppelte Pointen vermeiden: Eine Anekdote, die in der Zeitung steht, wirkt in der Rede nicht mehr. Klärt das im Team ab, wenn ihr wisst, wer redet. Wie eine Hochzeitsrede aufgebaut wird, steht im eigenen Ratgeber.
Anekdoten, Rätsel und Mitmach-Seiten
Der Mitmach-Teil ist das, was die Zeitung auf der Feier von einer Broschüre unterscheidet: Er überbrückt die Wartezeiten, in denen das Brautpaar fotografiert wird oder das Buffet nachgefüllt wird. Drei Formate funktionieren zuverlässig, hier jeweils mit einem ausformulierten Beispiel, das ihr als Muster nehmen könnt.
Wahr oder erfunden
Drei Behauptungen, eine davon gelogen, Auflösung auf der vorletzten Seite. Beispiel: "Ben hat bei seiner Führerscheinprüfung die Handbremse vergessen und ist zwei Kilometer damit gefahren. Ben besitzt eine vollständige Sammlung Fußballsticker von 1998. Ben hat Anna beim ersten Date einen falschen Nachnamen genannt."
Wer sagt so etwas
Zitate ohne Namen, die Gäste raten, ob Braut oder Bräutigam. Beispiel: "Ich brauche keine Ersatzbirne, ich habe eine Taschenlampe." Nummeriert die Zitate und setzt die Auflösung kopfüber unter den Kasten.
Der Zeitstrahl mit Lücken
Ihr druckt die gemeinsamen Stationen mit Jahreszahlen, lasst aber drei Felder frei, die die Gäste selbst ausfüllen: "2019: erste gemeinsame Wohnung. 2021: [hier tippt ihr, was passiert ist]. 2023: Heiratsantrag."
Wichtig ist die Auflösung. Ein Rätsel ohne Lösung im selben Heft ärgert die Gäste, weil niemand am Abend noch nachfragt. Setzt die Antworten gesammelt auf die vorletzte Seite.
Für die Anekdoten selbst gilt eine harte Regel: Jede Geschichte braucht die Zustimmung der Person, von der sie stammt. Das gilt besonders für alles, was am Polterabend oder beim Junggesellenabschied passiert ist. Spielideen für die Feier selbst gehören nicht in die Zeitung, dafür gibt es den Ratgeber zu Hochzeitsspielen.
Zehn Wochen vorher: Redaktionsschluss und Nachfassen
Der Redaktionsschluss liegt zehn Wochen vor dem Trautag und ist bewusst früher gesetzt, als er sein müsste: Die zwei Wochen danach gehören dem Nachfassen. Erfahrungsgemäß liefert etwa die Hälfte der Angefragten erst nach der Erinnerung.
Die Erinnerung funktioniert am besten kurz, ohne Vorwurf und mit einem Ausweg:
Hallo [Name],
kurze Erinnerung an die Hochzeitszeitung für Anna und Ben. Wir gehen am [Datum] ins Layout, danach kommt nichts mehr rein. Wenn dir das Schreiben zu viel ist: Ruf mich an, ich notiere deine Antworten und schicke dir den Text zum Freigeben. Zehn Minuten reichen.
Führt eine sichtbare Liste, wer geliefert hat und wer nicht, und wer wen erinnert. Ohne diese Liste erinnert am Ende niemand oder drei Personen gleichzeitig. Genauso wichtig ist ein Plan B pro Rubrik: Wenn der Beitrag des Onkels ausfällt, füllt ihr die Seite mit Glückwünschen, die ihr ohnehin gesammelt habt, oder mit einem großen Foto des Paares. Eine leere Seite im Heft ist kein Drama, eine zwei Wochen später fertige Zeitung schon.
Acht Wochen vorher: Layout und Gestaltung
Jetzt liegen alle Texte vor, und das Heft bekommt seine Form. Beginnt nicht mit der ersten Seite, sondern mit einem Seitenspiegel: eine Übersicht, auf der jede Seite als Kästchen steht und ihr eintragt, welche Rubrik wo landet. Das ist der Moment, in dem ihr merkt, ob die Seitenzahl aufgeht.
Holt euch vorher das Datenblatt der Druckerei, bei der ihr voraussichtlich bestellt. Darin stehen Beschnittzugabe und Sicherheitsabstand, und beides muss schon auf der ersten Seite stimmen, die ihr baut. Was das genau bedeutet, steht im nächsten Abschnitt zu den Druckdaten.
Für die Umsetzung gibt es drei Wege, die sich in Aufwand und Ergebnis deutlich unterscheiden:
- Textverarbeitung (Word, Pages, LibreOffice): Jeder kann es, das Ergebnis sieht danach aus. Für ein schlichtes Heft mit klarer Struktur völlig ausreichend, solange ihr am Ende ein sauberes PDF exportiert.
- Online-Gestaltungstools: viele fertige Vorlagen, gutes Ergebnis ohne Vorkenntnisse. Achtet darauf, ob der Export druckfertige Farben (CMYK, siehe unten) und Beschnitt kann, denn genau daran hakt es bei kostenlosen Varianten oft.
- Layoutprogramme (InDesign, Affinity Publisher, Scribus): das beste Ergebnis und die volle Kontrolle über Druckdaten, aber nur sinnvoll, wenn jemand im Team es schon kennt. Sechs Wochen vor dem Trautag ist der falsche Zeitpunkt, es zu lernen.
Vier Fehler tauchen in selbstgemachten Zeitungen immer wieder auf und lassen sich alle vorab vermeiden:
- Zu viele Schriften. Zwei genügen meist: eine für Überschriften, eine für den Fließtext. Eine dritte geht als Akzent für einzelne Stellen, etwa das Titelblatt oder die Rätselseiten. Mehr wirkt unruhig.
- Text bis an den Rand. Haltet mindestens 5 mm Abstand zu den Außenkanten und rund 10 mm zum Bund, sonst verschwindet der Text in der Heftung oder wird abgeschnitten.
- Zu kleine Bilder, zu groß gezogen. Ein Handyfoto aus einem Messenger hat oft nur wenige hundert Pixel Breite und wird auf einer halben Seite matschig.
- Kein Korrekturlauf. Lasst zwei Personen gegenlesen, die nicht am Text mitgeschrieben haben, und prüft dabei gezielt alle Namen und Jahreszahlen.
Sechs Wochen vorher: Druckdaten richtig anlegen
Hier trennt sich die Zeitung, die gedruckt aussieht wie am Bildschirm, von der, die als Reklamation zurückkommt. Üblich sind 16 bis 32 Seiten, und die folgenden Punkte gelten fast überall gleich:
- Seitenzahl durch vier teilbar. Bei Klammerheftung wird jeder Bogen in der Mitte gefalzt und ergibt vier Seiten. Die Gesamtseitenzahl muss deshalb durch vier teilbar sein: also 16, 20, 24 oder 28 Seiten inklusive Umschlag, Innenseiten und leeren Seiten.
- 300 dpi in der Endgröße. Entscheidend ist die Auflösung in der Größe, in der das Bild im Layout liegt, nicht die des Originals. Ein Bild aus einem Messenger ist meist schon vorher heruntergerechnet.
- CMYK statt RGB. Ein Bildschirm mischt seine Farben aus rotem, grünem und blauem Licht (RGB). Eine Druckmaschine mischt sie dagegen aus vier Farben auf Papier: Cyan, Magenta, Gelb und Schwarz (CMYK). Nicht jede Bildschirmfarbe lässt sich so drucken. Stellt den PDF-Export deshalb auf CMYK, wenn euer Programm das anbietet, oder fragt die Druckerei, ob sie RGB-Dateien selbst umwandelt. Kräftige Blau- und Grüntöne wirken nach der Umrechnung deutlich matter, prüft solche Flächen vor dem Export.
- Einzelseiten, keine Doppelseiten. Legt jede Seite einzeln an und exportiert ein durchgehendes PDF. Die Reihenfolge für den Druckbogen erzeugt die Druckerei selbst.
- Schriften einbetten und keine Schnitt- oder Passermarken selbst setzen.
Bei zwei Punkten gehen die Vorgaben auseinander, deshalb steht hier bewusst kein einzelner Wert: Die Beschnittzugabe verlangen viele Online-Druckereien mit 2 bis 3 mm rundum, andere Anbieter wollen die Seiten exakt im Endformat. Auch der Sicherheitsabstand schwankt, verbreitet sind 5 mm zu den Außenkanten und 10 mm zum Bund. Beides steht im Datenblatt der Druckerei, das ihr schon vor dem Layout geholt habt. Wechselt ihr jetzt noch die Druckerei, prüft beide Werte neu.
Ein Detail, das kaum jemand kennt und ab etwa 32 Seiten oder dickem Papier sichtbar wird: der Bundzuwachs. Weil die inneren Bogen über die äußeren hinausragen, wandert der Inhalt der Innenseiten beim Beschnitt Richtung Falz. Eine gängige Näherung dafür lautet:
Bundzuwachs in mm ≈ Seiten des Innenteils ÷ 4 × Papiergrammatur in g/m² ÷ 1.000
Ein Innenteil mit 44 Seiten auf 135-g-Papier ergibt also 44 ÷ 4 × 135 ÷ 1.000, rund 1,5 mm. Für ein 24-seitiges Heft ist der Effekt vernachlässigbar, bei 48 Seiten auf schwerem Papier nicht mehr.
Vier Wochen vorher: Auflage, Bindung und Kosten
Gedruckt wird die Hochzeitszeitung bei einer Online-Druckerei oder im Copyshop vor Ort. Mehrseitige Zeitungen gehören nicht zu unserem Sortiment. Der Copyshop ist bei kleinen Auflagen und kurzer Frist oft die bessere Wahl, weil ihr das erste Exemplar in der Hand prüfen könnt; die Online-Druckerei wird ab etwa 50 Stück günstiger, braucht aber Vorlauf für Versand und Reklamation.
Auflage
Eine verbreitete Faustregel ist ein Exemplar pro Haushalt oder Paar, also grob die Hälfte der Gästezahl, plus fünf Reserveexemplare. Bei 100 Gästen sind das rund 55 Hefte. Die Gästezahl kennt nur das Brautpaar, und direkt fragen verrät die Überraschung. Fragt deshalb unauffällig nach, etwa im Gespräch über die Sitzordnung, oder über Eltern und Trauzeugen, die bei der Planung ohnehin mitreden. Rechnet lieber knapp und plant Reserve ein, statt 30 Hefte übrig zu haben: Gäste nehmen im Zweifel gemeinsam ein Exemplar.
Bindung
Die Bindung hängt vor allem an der Seitenzahl:
| Bindung | Seitenzahl | Eignung |
|---|---|---|
| Klammerheftung | ab 8 Seiten, in Vierer-Schritten | Der Standard für Hochzeitszeitungen. Bei schwerem Papier sinkt die sinnvolle Obergrenze deutlich, weil das Heft nicht mehr flach liegt. |
| Klebebindung | ab etwa 32 Seiten | Braucht eine Mindest-Rückenstärke von rund 2 mm. Wirkt hochwertiger, das Heft lässt sich aber nicht flach aufschlagen. |
| Ring- oder Spiralbindung | nahezu beliebig | Liegt flach und ist im Copyshop sofort machbar, sieht aber weniger nach Zeitung und mehr nach Skript aus. |
Was die Hochzeitszeitung kostet
Der Preis hängt an fünf Größen, hier in der Reihenfolge ihrer Wirkung:
- Auflage
- Seitenzahl
- Farbigkeit
- Papier
- Bindung
Die Preisliste eines Berliner Digitaldruck-Anbieters, abgerufen im August 2026, zeigt die Größenordnung für ein 20-seitiges Heft auf 80-g-Papier inklusive Rückstichheftung, vollfarbig, pro Stück:[1]
| Format | 25 Stück | ab 50 | ab 100 |
|---|---|---|---|
| DIN A5 | 2,90 Euro | 2,40 Euro | 1,80 Euro |
| DIN A4 | 5,30 Euro | 4,20 Euro | 3,00 Euro |
In Schwarzweiß fällt der Preis auf einen Bruchteil, in A5 auf 0,80 bis 0,50 Euro je nach Auflage. Das sind Beispielwerte eines Anbieters, keine Marktpreise: Holt zwei bis drei Angebote ein, die Spanne zwischen Anbietern ist erheblich.
Der größte Hebel ist die Farbigkeit. Wer den Fotoseiten Farbe gönnt und den Textteil schwarzweiß druckt, halbiert bei vielen Anbietern die Rechnung, muss dafür aber die Seitenaufteilung so bauen, dass Farb- und Schwarzweißseiten auf getrennten Bogen liegen. Fragt vorher nach, ob das im Digitaldruck überhaupt angeboten wird, bei kleinen Auflagen ist es das oft nicht.
Rechte klären: Fotos, Cartoons und Liedtexte
Eine Hochzeitszeitung ist ein privates Heft in kleiner Auflage, und trotzdem sammeln sich darin ausgerechnet die Inhalte, an denen fremde Rechte hängen. Vier Punkte solltet ihr kennen, bevor das PDF zur Druckerei geht.
Fotos gehören nicht dem, der sie besitzt. Das Urheberrecht an einem Foto liegt beim Fotografen, auch wenn ihr den Abzug in der Hand haltet.[2] Bei professionellen Aufnahmen, also Kindergartenfotos, Passbildern oder Bildern eines beauftragten Fotografen, braucht ihr für den Abdruck ein Nutzungsrecht. Bei Schnappschüssen aus der Familie ist das unkritisch, solange die Person zustimmt, die fotografiert hat. Wie Nutzungsrechte bei beauftragten Aufnahmen üblicherweise geregelt sind, steht im Ratgeber zu den Kosten für den Hochzeitsfotografen.
Abgebildete Personen entscheiden mit. Nach § 22 des Kunsturhebergesetzes dürfen Bildnisse nur mit Einwilligung des Abgebildeten verbreitet werden.[3] Ob eine geschlossene Hochzeitsgesellschaft überhaupt schon Verbreitung im Sinne der Vorschrift ist, ist rechtlich nicht eindeutig geklärt, und hier hilft die praktische Regel mehr als die juristische: Fragt vorher. Das gilt besonders für Kinderfotos, auf denen fremde Kinder zu sehen sind, also Klassenkameraden oder Nachbarskinder. Bei Kindern entscheiden grundsätzlich beide sorgeberechtigten Elternteile; je älter das Kind, desto stärker zählt seine eigene Meinung, und mit dem Erreichen der Einsichtsfähigkeit entscheidet es selbst mit.[4] Am einfachsten schneidet ihr fremde Kinder aus dem Bild oder wählt ein anderes Foto.
Cartoons und Comicfiguren sind geschützt. Eine bekannte Zeichenfigur, die eine Hochzeitsszene kommentiert, ist genau das, was in vielen selbstgemachten Zeitungen landet, und genau das, was ihr nicht einfach aus einer Bildersuche übernehmen dürft. Lasst stattdessen jemanden aus dem Freundeskreis zeichnen, das passt ohnehin besser zum Paar.
Liedtexte sind der heikelste Punkt. Wer den Text des Hochzeitslieds abdrucken will, vervielfältigt ein geschütztes Werk, und dafür braucht es eine Lizenz. Für den Abdruck von Liedtexten ist dabei nicht die GEMA zuständig, sondern der Musikverlag beziehungsweise die VG Musikedition.[5] Für ein privates Heft mit 50 Exemplaren lohnt dieser Weg praktisch nie. Nennt stattdessen Titel und Interpret, Titel selbst sind nicht geschützt, oder schreibt eine eigene Strophe. Dasselbe gilt für Gedichte und Sprüche, die noch nicht gemeinfrei sind: Gemeinfrei wird ein Text erst 70 Jahre nach dem Tod des Urhebers.[6]
Und schließlich die Beitragenden selbst: Sagt jedem, dass sein Text gedruckt wird, und schickt gekürzte Fassungen zum Freigeben zurück. Wer eine Anekdote im Vertrauen erzählt hat, hat sie nicht zur Veröffentlichung freigegeben.
Der Trautag: Übergabe und Verteilung
Die Zeitungen sind da, gezählt und versteckt. Zwei Dinge fehlen noch: der Transport und der richtige Moment.
Klärt den Transport mit der Location ab, nicht mit dem Brautpaar. Ein Karton mit 55 Heften braucht einen Platz, an dem er den ganzen Tag steht, ohne aufzufallen, und eine Person, die weiß, wo er ist. Legt ein Exemplar für das Brautpaar beiseite, bevor ihr verteilt: Erfahrungsgemäß ist am Ende des Abends kein einziges mehr übrig.
Verteilt wird am besten in einer Programmlücke, etwa während das Brautpaar Fotos macht oder nach dem Hauptgang. Zu früh verteilt lesen die Gäste, statt dem Programm zu folgen, zu spät sind die ersten schon abgereist. Legt die Hefte deshalb auch nicht schon zur Trauung auf die Plätze. Wo diese Lücken liegen, seht ihr am besten im Ablaufplan, den das Brautpaar ohnehin erstellt: der Ratgeber zum Tagesablauf der Hochzeit zeigt die typischen Zeitfenster.
Für die Übergabe selbst reichen zwei Sätze der Redaktionsleitung, keine zweite Rede. Wer mehr will, kann die Zeitung mit einer offenen Seite kombinieren, auf der die Gäste im Lauf des Abends Wünsche eintragen, und sie dem Brautpaar am Ende des Abends gefüllt in die Hand drücken.