Kurz gesagt

Fürbitten sind Gebete für andere: Bei der kirchlichen Trauung stehen sie nach dem Trauungssegen und werden meist von euren Gästen vorgetragen. Realistisch sind vier bis sechs Fürbitten, sechs ergeben samt Einleitung und Schlussgebet rund fünf Minuten. Jede besteht aus Anrede, Bitte und Überleitung zum Antwortruf der Gemeinde. Ins Kirchenheft gehören am besten die Zeile im Ablauf, der Antwortruf und die Namen der Sprecher.

Passend dazu: Kirchenhefte

Irgendwann zwischen Terminanfrage und Traugespräch kommt die Frage aus dem Pfarrbüro: Habt ihr euch schon Gedanken über die Fürbitten gemacht? Meistens trifft sie Paare unvorbereitet, weil an dieser Stelle zum ersten Mal jemand einen fertigen Text von euch erwartet und nicht nur eine Entscheidung.

Brautpaar von hinten, auf Stühlen vor dem Altar einer Kirche zwischen Kerzenleuchtern sitzend
Während der Fürbitten sitzt das Paar bereits vorn, gesprochen wird vom Pult aus

Was Fürbitten bei der Trauung sind

Eine Fürbitte ist ein Gebet für andere. Nicht für sich selbst, nicht über sich selbst, sondern stellvertretend: Jemand tritt vor Gott und bringt ein Anliegen vor, das einem Dritten gilt. Genau das steckt im Wort. In der Liturgie heißt der ganze Abschnitt deshalb auch Allgemeines Gebet oder Gebet der Gläubigen, weil hier nicht der Geistliche allein betet, sondern die versammelte Gemeinde.

Für eure Trauung heißt das zweierlei. Erstens: Die Fürbitten sind die eine Stelle im Gottesdienst, an der eure Gäste selbst zu Wort kommen. Zweitens: Sie sind nicht nur für euch da. Ein Fürbittengebet, das ausschließlich um das Brautpaar kreist, verfehlt seinen Zweck. Traditionell führt es von euch aus nach außen, zu den Familien, zu Kranken und Verstorbenen, zu Menschen in Not und zur Welt.

Fürbitte, Gebet und Segenswunsch

Drei Textsorten werden gern verwechselt, obwohl sie sich schon in der Anrede unterscheiden:

  • Die Fürbitte spricht Gott an und bittet für andere: Guter Gott, wir bitten dich für Anna und Tim. Sie endet offen und wird von der Gemeinde mit einem Ruf beantwortet.
  • Das Gebet im engeren Sinn kann alles enthalten: Dank, Lob, Klage, Bitte für sich selbst. Eröffnungs-, Trau- und Schlussgebet gehören dem Geistlichen, nicht den Gästen.
  • Der Segenswunsch spricht euch an: Wir wünschen euch Abende, an denen keiner aufs Handy schaut. Er kommt ohne Gott aus und ist deshalb die passende Form für eine freie Trauung.

Der häufigste Fehler entsteht genau an dieser Grenze: Ein Text beginnt als Fürbitte und rutscht mitten im Satz in einen Glückwunsch ab. In der Kirche fällt das auf, weil danach der Antwortruf der Gemeinde ins Leere geht.

Wo im Gottesdienst die Fürbitten stehen

Der Platz der Fürbitten ist nicht Geschmackssache, sondern liturgisch festgelegt. Er ist in beiden Kirchen ähnlich, aber nicht identisch, und bei einer konfessionsverbindenden Trauung entscheidet eine formale Frage darüber, welche Ordnung gilt.

Blick durch einen Blumenbogen ins Kirchenschiff, Gäste in den Bänken, das Brautpaar sitzt vorn vor dem Altar
Die Fürbitten kommen spät im Gottesdienst, kurz vor dem Vaterunser

Katholische Trauung

Im normalen Sonntagsgottesdienst steht das Allgemeine Gebet am Ende des Wortgottesdienstes: nach der Evangeliumslesung, nach der Predigt und gegebenenfalls nach dem Glaubensbekenntnis. Bei einer Trauung schiebt sich der Trauritus genau dazwischen, also Befragung, Vermählungsworte, Ringsegnung und Vermählungssegen.

Dadurch rücken die Fürbitten hinter den Trauungssegen. Was danach folgt, hängt davon ab, ob ihr einen Wortgottesdienst oder eine Brautmesse feiert:

  • Wortgottesdienst: Vermählungssegen, Fürbitten, Vaterunser, Schlussgebet und Segen.
  • Brautmesse: Vermählungssegen, Fürbitten, Gabenbereitung und Eucharistiegebet, Vaterunser, Kommunion, Schlussgebet und Segen.

Praktisch bedeutet das: Wenn die Fürbitten dran sind, seid ihr bereits verheiratet und sitzt vorn. Ihr müsst zu diesem Zeitpunkt nichts mehr tun, außer zuzuhören. Die klassische Reihenfolge der Anliegen geht von der Kirche über die Regierenden und das Heil der Welt zu den Notleidenden und endet bei der versammelten Gemeinde.

Evangelische Trauung

Im evangelischen Traugottesdienst schließt das Fürbittengebet den zweiten Teil ab, also Verkündigung und Bekenntnis. Es steht nach der Segnung des Paares und unmittelbar vor dem Vaterunser, mit dem es meist zusammen gesprochen wird. Danach kommen nur noch Schlusslied, Segen und Auszug.

Der Aufbau folgt dem Vaterunser und deckt inhaltlich ähnliche Felder ab wie die katholische Form: das Kommen des Reiches Gottes, Evangelium und Dienst der Kirche, Staat, Gemeinwesen und Beruf, Menschen in Notlagen und zuletzt die versammelte Gemeinde. Üblich ist, dass Freunde, Trauzeugen und Verwandte die Anliegen im Wechsel mit der Pfarrerin oder dem Pfarrer lesen.

Konfessionsverbindende Trauung

Kirchenrechtlich gibt es keine ökumenische Trauung im strengen Sinn. Es gibt eine evangelische Trauung, bei der ein katholischer Priester mitwirkt, oder eine katholische Trauung, bei der eine evangelische Pfarrerin Teile des Gottesdienstes übernimmt. Gefeiert wird nach der Ordnung der Kirche, in der die Trauung stattfindet, und das ist in aller Regel die Kirche, in der ihr steht.

Für eure Fürbitten heißt das: Ihr richtet euch nach dem Ablauf der gastgebenden Kirche und stimmt den Antwortruf mit beiden Geistlichen ab. Beide sind daran gewöhnt, aber die Gäste sind es nicht, und ein Ruf, den die halbe Kirche nicht kennt, bleibt stumm.

Zwei formale Punkte gehören ins erste Gespräch, nicht in die Woche vor der Hochzeit: Heiratet ihr evangelisch und soll die Ehe auch von der katholischen Kirche anerkannt werden, braucht der katholische Partner einen Dispens von der katholischen Formpflicht.[1] Und beide Konfessionen gehören von Anfang an in die Terminplanung, nicht erst, wenn der Termin steht. Wie das im Detail läuft, steht in unserem Ratgeber zur ökumenischen Trauung.

Wie viele Fürbitten realistisch sind

Vier bis sechs. Diese Zahl steht in keinem Regelwerk, sie ergibt sich aus dem Zeitbudget, und deshalb rechnen wir sie hier einmal vor, statt sie zu behaupten.

Als Vorlesetempo vor Publikum gelten rund 100 bis 165 Wörter pro Minute.[2] Wer aufgeregt an einem Mikrofon steht, sollte langsamer planen, also mit etwa 120 Wörtern pro Minute. Eine Fürbitte von 40 bis 50 Wörtern dauert damit rund 25 Sekunden. Dazu kommen der Gang zum Pult, eine kurze Pause und der Antwortruf der Gemeinde, gesungen deutlich länger als gesprochen. Realistisch sind pro Fürbitte also etwa 40 Sekunden.

Anzahl Dauer mit Einleitung und Schlussgebet Einschätzung
4 Fürbitten rund 4 Minuten Untergrenze, reicht für Paar, Familie, Verstorbene und Welt
6 Fürbitten rund 5 Minuten der Regelfall, wenn mehrere Gäste sprechen sollen
8 Fürbitten rund 7 Minuten merklich lang, gerade in einer Brautmesse
10 Fürbitten rund 8 Minuten kippt, die Gemeinde hört ab hier nicht mehr zu

Sechs Fürbitten samt Einleitung und Schlussgebet ergeben damit rund fünf Minuten. Das ist der Wert, mit dem ihr im Traugespräch rechnen könnt.

Die Zahl entscheidet ihr nicht allein: Manche Gemeinden setzen eine Obergrenze, andere haben eigene Fürbitten, die ohnehin dazukommen. Fragt danach im Traugespräch, bevor ihr acht Menschen einen Text zusagt.

Ein Nebeneffekt, den viele unterschätzen: Jede zusätzliche Fürbitte bedeutet einen zusätzlichen Sprecher, der aufsteht, nach vorn geht und zurückkehrt. Diese Wege kosten mehr Zeit als die Texte. Wer den gesamten Tagesablauf eng getaktet hat, merkt das später beim Sektempfang.

Wer die Fürbitten spricht

Die Rollen sind klarer verteilt, als es beim Zuhören wirkt. Einleitung und Schlussgebet gehören dem Geistlichen, der den Gottesdienst leitet: Er lädt die Gemeinde zum Gebet ein und schließt es mit einem eigenen Gebet, auf das die Gemeinde mit Amen antwortet. Die einzelnen Anliegen dazwischen trägt jemand anders vor, im Sonntagsgottesdienst ein Diakon oder Lektor, bei einer Trauung fast immer eure Gäste.

Blick über das Brautpaar in der ersten Kirchenbank nach vorn: Ein Hochzeitsgast in grünem Kleid liest am hölzernen Ambo mit Blumengesteck eine Fürbitte von einem Blatt ins Mikrofon
Die einzelnen Bitten tragen meist Gäste vor, Einleitung und Schlussgebet der Geistliche

Das ist der Grund, warum eine Fürbitte eine so gefragte Rolle ist: Sie ist kurz, sie ist sichtbar, und sie verlangt keine Rede. Wer bei euch keine Rede halten will oder als Trauzeuge ohnehin schon viel übernimmt, ist hier gut aufgehoben. Sinnvoll besetzt sind Fürbitten mit Menschen, die zu dem Anliegen passen, das sie vortragen: die Schwester für die Familie, der alte Schulfreund für die Freundschaft, ein Kind für die Kinder.

Fürbitten vortragen: Sitzplatz, Zettel und Probe

Der Ablauf am Trautag steht und fällt mit drei banalen Dingen, die im Traugespräch selten zur Sprache kommen:

  1. Sitzplätze am Rand und weit vorn. Wer eine Fürbitte spricht, sollte in einer der vorderen Bänke am Gang sitzen, nicht in der Mitte einer vollen Bank und nicht in der letzten Reihe. So bleibt der Weg zum Ambo kurz. Sagt das den Sprechern vorher, sonst klärt es sich erst in dem Moment, in dem es losgeht.
  2. Ein Zettel, nicht das Handy. Druckt jede Fürbitte einzeln aus, in großer Schrift, und legt die Zettel am Morgen selbst in die Bank oder aufs Pult. Ein gesperrtes Handy, ein leerer Akku oder eine Nachricht, die im falschen Moment aufploppt, sind vermeidbar.
  3. Reihenfolge und Mikrofon. Legt die Reihenfolge schriftlich fest und probt sie einmal, sei es beim Kirchenbesuch, sei es am Vortag. Zum Mikrofon gehören zwei Sätze: Es steht meist zu hoch, und man spricht hinein, nicht darüber hinweg. Wer das einmal gemacht hat, klingt später um Klassen ruhiger.

Wenn ihr könnt, schaut euch die Kirche vorher an. Der Weg vom Platz zum Pult sieht auf dem Papier kürzer aus, als er sich anfühlt, wenn hundert Menschen zuschauen.

Aufbau einer Fürbitte

Fast jede Fürbitte, die im Gottesdienst funktioniert, besteht aus drei Teilen. Wer diese drei Bausteine kennt, schreibt in zehn Minuten einen Text, der sich nicht nach Vorlage anhört.

  1. Die Anrede. Ein kurzer Ruf an Gott: Guter Gott, Herr, unser Gott, Barmherziger Gott, Gott des Lebens. Ein Wort reicht, mehr wirkt gestelzt. Wichtig ist nur, dass ihr innerhalb eines Gottesdienstes bei derselben Familie von Anreden bleibt.
  2. Die Bitte. Das Herzstück, ein bis drei Sätze. Sie nennt konkret, worum ihr bittet, und für wen. Je greifbarer, desto besser: nicht Glück, sondern Geduld an schlechten Tagen.
  3. Die Überleitung zum Gebetsruf. Ein feststehender Halbsatz, der der Gemeinde das Signal gibt: Darum bitten wir dich: oder Wir rufen zu dir:. Ohne dieses Signal weiß niemand, wann er einsetzen soll.

Die gängigen Antwortrufe

Der Antwortruf, auch Gebetsruf genannt, ist die Antwort der Gemeinde nach jeder einzelnen Bitte. Er ist in allen Gemeinden kurz, feststehend und für alle gleich. Diese vier begegnen euch am häufigsten:

Antwortruf Verbreitet Hinweis
Wir bitten dich, erhöre uns katholisch und evangelisch der häufigste Ruf, die sichere Wahl bei gemischten Gästen
Herr, erhöre uns katholisch kürzere Variante, meist gesprochen
Christus, höre uns katholisch wird häufig im Wechsel mit dem vorigen Ruf verwendet
Kyrie eleison, deutsch: Herr, erbarme dich beide Konfessionen alter, konfessionsverbindender Ruf, wird meist gesungen

Legt euch auf einen einzigen Ruf fest und haltet ihn über alle Fürbitten durch. Soll er gesungen werden, gehört er zur Musikabsprache und nicht zum Texteschreiben: Dann braucht ihr jemanden, der ihn anstimmt. Welche Lieder sonst noch in den Gottesdienst passen, ist eine eigene Entscheidung. Steht der Ruf, gehört er ins Kirchenheft, sonst antwortet nur die vordere Hälfte der Kirche.

Fürbitten selbst schreiben

Selbst geschriebene Fürbitten klingen anders als abgeschriebene, und man hört den Unterschied sofort. Der Grund ist banal: Ein eigener Text enthält Details, die nur auf euch zutreffen. Sechs Hinweise, die beim Schreiben helfen:

  • Ein Anliegen pro Fürbitte. Wer Familie, Freundschaft und Weltfrieden in einen Text packt, verliert alle drei.
  • Konkret vor feierlich. Abende ohne Termine bleibt hängen, ein erfülltes Leben nicht.
  • Namen einsetzen. Mindestens einmal die Vornamen des Paares, richtig geschrieben und richtig ausgesprochen. Klärt vorher, ob die Gemeinde Vor- oder Rufnamen erwartet.
  • Laut lesen. Jeder Satz, über den ihr beim Lautlesen stolpert, wird am Trautag auch gestolpert.
  • Nach außen führen. Mindestens zwei eurer Fürbitten sollten nicht euch gelten, sondern anderen. Das ist der Sinn der Sache.
  • Keine Insider. Ein Witz, den vier Menschen verstehen, ist im Gottesdienst ein Aussetzer für alle anderen.

Was regelmäßig schiefgeht: Der Text redet das Paar an statt Gott. Er wird zu lang und verliert die Pointe. Er wiederholt, was der Pfarrer in der Predigt gerade gesagt hat. Oder er kommt so spät, dass ihn niemand mehr gegenlesen konnte. Gegen alle vier hilft dieselbe Maßnahme: Sammelt die Texte spätestens vier Wochen vorher ein und lest sie gemeinsam laut durch. Damit die Frist nicht untergeht, legt ihr Fürbitte schicken im digitalen Hochzeitsplaner als Aufgabe mit Fälligkeitsdatum an und weist sie in der Aufgabenverteilung jedem Sprecher zu.

40 Fürbitten nach Anlass

Die folgenden 40 Fürbitten haben wir für diesen Ratgeber selbst geschrieben, sie stammen aus keiner kursierenden Sammlung. Sechs weltliche Wünsche für die freie Trauung kommen weiter unten dazu, zusammen sind es 46 Texte. Ihr könnt sie unverändert übernehmen, kürzen oder als Gerüst nehmen. Anna und Tim sind Platzhalter, setzt eure Vornamen ein, und bei den Kindern ebenso. Alle Texte enden ohne Überleitung, damit ihr euren eigenen Gebetsruf anhängen könnt.

Für das Brautpaar

Diese Gruppe ist die naheliegendste und deshalb die, in der die meisten Floskeln landen. Sucht euch das Bild heraus, das wirklich zu den beiden passt, nicht das schönste:

  • Guter Gott, heute haben Anna und Tim einander ihr Ja gegeben. Schenke ihnen die Geduld, dieses Ja an jedem gewöhnlichen Morgen zu wiederholen, auch ohne Musik, Blumen und Gäste.
  • Herr, unser Gott, wir bitten dich für Anna und Tim: Gib ihnen den Mut, offen auszusprechen, was sie brauchen, und die Ruhe, dem anderen bis zum Ende zuzuhören.
  • Guter Gott, kein Paar bleibt sich immer einig. Lass Anna und Tim ihre Streitpunkte an dem Tag beilegen, an dem sie entstehen, und schenke ihnen den ersten Schritt aufeinander zu.
  • Gott des Lebens, wir bitten dich um Zeit für die beiden: um Abende ohne Termine, um Wochen ohne Sorgen und um genug Ruhe, um am nächsten Morgen wieder füreinander da zu sein.
  • Barmherziger Gott, du kennst die Wege, die vor Anna und Tim liegen. Bewahre sie in Krankheit, in Umbrüchen und in allem, worauf man sich nicht vorbereiten kann.
  • Guter Gott, wir bitten dich um Humor für dieses Paar. Lass die beiden über sich selbst lachen, wenn etwas schiefgeht, und an keinem Tag vergessen, warum sie heute hier standen.
  • Herr, unser Gott, Anna und Tim beginnen etwas, das sie nicht allein tragen können. Bleibe bei ihnen, wenn ihre eigene Kraft nicht reicht, und schicke ihnen Menschen, die sie stützen.
  • Gott, du Quelle der Liebe, lass die Liebe der beiden nicht bei ihnen stehen bleiben. Mache ihr Zuhause zu einem Ort, an dem andere willkommen sind und satt werden.

Für Eltern und Großeltern

Eltern sind an diesem Tag die zweite Hauptrolle, ohne den Platz dafür zu bekommen. Eine Fürbitte für sie ist oft der Moment, an dem in der Bank die Taschentücher herauskommen:

  • Guter Gott, wir danken dir für die Eltern von Anna und Tim. Sie haben Jahre gegeben, ohne zu rechnen. Schenke ihnen heute die Freude, die aus dem wächst, was sie loslassen.
  • Herr, unser Gott, aus zwei Familien wird heute eine dritte. Lass die Eltern ihre neuen Kinder annehmen, ohne sie an den eigenen zu messen.
  • Barmherziger Gott, wir bitten dich für die Großeltern, die diesen Tag miterleben. Erhalte ihnen Gesundheit und Neugier und schenke ihnen noch viele Feste in dieser Familie.
  • Guter Gott, Eltern lassen heute los, ohne aufzuhören, Eltern zu sein. Zeige ihnen, wann ihr Rat gefragt ist und wann Schweigen die größere Hilfe wäre.
  • Gott des Lebens, nicht jeder Weg in diesen beiden Familien war leicht. Heile, was zwischen den Generationen offen geblieben ist, und lass diesen Tag ein Anfang dafür sein.
  • Herr, unser Gott, wir bitten dich für alle, die heute nicht kommen konnten, weil der Weg zu weit oder die Kraft zu klein war. Lass sie spüren, dass wir an sie denken.

Für Kinder und Patchwork-Familien

Wenn Kinder mit in die Ehe kommen, gehört das in die Fürbitten, und zwar so, dass sich niemand ausgeschlossen fühlt. Sprecht vorher mit den Kindern darüber, ob ihr Name fallen soll. Größere Kinder haben dazu eine klare Meinung, und es ist ihre:

  • Guter Gott, Anna und Tim heiraten heute nicht zu zweit, sondern zu viert. Wir bitten dich für Lina und Jonas: Lass sie in dieser Familie ihren eigenen, sicheren Platz finden.
  • Herr, unser Gott, wir bitten dich für die Kinder, die heute mitfeiern. Schenke ihnen ein Zuhause, in dem sie laut sein dürfen und in dem sie gehört werden.
  • Gott des Lebens, aus zwei Geschichten wird heute eine gemeinsame. Gib den Kindern Zeit, sich daran zu gewöhnen, und den Erwachsenen die Geduld, ihnen diese Zeit zu lassen.
  • Barmherziger Gott, wir bitten dich für die Eltern, die heute nicht vorn stehen und trotzdem zur Familie dieser Kinder gehören. Lass alle Erwachsenen zum Wohl der Kinder zusammenhalten.
  • Guter Gott, wir bitten dich um Kinder für dieses Paar, wenn es dein Wille ist, und um Trost, falls dieser Wunsch offen bleibt.
  • Herr, unser Gott, du kennst jedes Kind mit Namen. Behüte die Kinder dieser Familie auf ihren Wegen und lass sie erfahren, dass Liebe nicht kleiner wird, wenn man sie teilt.

Für Verstorbene

Eine Fürbitte für Verstorbene ist in beiden Kirchen üblich und gern gesehen, sie will aber bewusst gesetzt werden. Drei Punkte, die ihr vorher klärt: Sprecht sie mit dem Geistlichen ab, beschränkt euch auf eine einzige, und überlegt getrennt davon, ob ihr sie im Kirchenheft abdruckt. Gedruckt liest sie jeder Gast still mit, auch die Angehörigen, denen ihr das vielleicht ersparen wolltet.

  • Barmherziger Gott, an einem Tag wie heute fehlt uns Klara besonders. Halte sie geborgen in deinem Licht und lass die Freude von heute die Erinnerung an sie mittragen.
  • Guter Gott, wir denken an alle Verstorbenen dieser beiden Familien. Sie haben mitgebaut an dem, was heute gefeiert wird. Lass sie geborgen sein bei dir.
  • Herr, unser Gott, Trauer und Freude liegen an diesem Tag nah beieinander. Sei bei allen, die mitfeiern und dabei jemanden vermissen.
  • Gott des Lebens, ein leerer Platz in der Bank bleibt leer. Schenke uns die Zuversicht, dass niemand verloren ist, den wir dir anvertrauen.
  • Barmherziger Gott, wir bitten dich für die Großeltern von Anna und Tim, die diesen Tag nicht mehr erlebt haben. Vollende an ihnen, was sie begonnen haben.

Für Kranke und Menschen in Not

Diese Gruppe hält den Gottesdienst offen für alles, was außerhalb der Kirche gerade schwer ist. Sie ist auch der Ort für Gäste, die kurzfristig absagen mussten:

  • Guter Gott, wir bitten dich für alle Kranken, besonders für die, die heute gern hier wären und es nicht geschafft haben. Schenke ihnen Linderung und Menschen, die bleiben.
  • Herr, unser Gott, wir denken an alle, die pflegen: an Angehörige, die seit Jahren keinen freien Tag hatten. Gib ihnen Kraft und Menschen, die sie ablösen.
  • Barmherziger Gott, wir bitten dich für alle, deren Ehe zerbrochen ist, und für alle, die allein leben und es nicht sein wollen. Lass sie heute nicht übersehen werden.
  • Gott des Lebens, wir bitten dich für alle, die trauern, und für alle, die eine schwere Diagnose bekommen haben. Steh ihnen bei, wenn niemand mehr etwas sagen kann.
  • Guter Gott, wir bitten dich für die Menschen, die kein Fest feiern können, weil das Geld nicht reicht. Öffne uns die Augen für sie, gerade an einem Tag wie heute.

Für Frieden und die Welt

Der weiteste Kreis, und der einzige, der ohne Namen auskommt. Bleibt hier allgemein: Eine Fürbitte ist kein Ort für tagespolitische Zuspitzung, und eure Gäste denken politisch nicht alle gleich:

  • Herr, unser Gott, während wir hier feiern, verlieren Menschen ihr Zuhause. Wir bitten dich um Frieden in den Ländern, aus denen wir nur noch die Nachrichten kennen.
  • Guter Gott, wir bitten dich für alle, die Verantwortung tragen, in Politik und Verwaltung. Gib ihnen den Mut zu Entscheidungen, die über den Tag hinausreichen.
  • Gott, du hast uns die Erde anvertraut. Wir bitten dich um Einsicht, damit unsere Kinder eine Welt vorfinden, in der man noch feiern kann.
  • Barmherziger Gott, wir bitten dich für alle, die fliehen mussten, und für die, die sie aufnehmen. Lass aus Fremden Nachbarn werden.
  • Herr, unser Gott, wir bitten dich um Versöhnung überall dort, wo Menschen seit Jahren nicht mehr miteinander sprechen, in Familien wie zwischen Völkern.

Für Gäste und Gemeinde

Die letzte Fürbitte führt traditionell zurück in die Kirche, zu den Menschen, die gerade da sind. Sie ist der ruhige Schluss vor dem Gebet des Geistlichen:

  • Guter Gott, wir danken dir für alle, die heute hier sind: für weite Wege, für freie Tage und für jeden, der etwas beigetragen hat. Segne sie in ihrem eigenen Leben.
  • Herr, unser Gott, wir bitten dich für die Trauzeugen von Anna und Tim. Sie unterschreiben heute und haben morgen ein offenes Ohr. Lass diese Freundschaft lange tragen.
  • Gott des Lebens, wir bitten dich für alle Paare in dieser Kirche, die schon länger verheiratet sind. Erneuere ihr Ja und schenke ihnen die Neugier aufeinander zurück.
  • Barmherziger Gott, wir bitten dich für diese Gemeinde und für alle, die diesen Gottesdienst vorbereitet haben. Lass ihre Arbeit nicht nur ein Fest bleiben, sondern Nähe stiften.
  • Guter Gott, wir bitten dich für die jungen Menschen unter uns, die noch nicht wissen, wohin ihr Weg führt. Schenke ihnen Menschen, die an sie glauben.

Wer statt einer Fürbitte einen kurzen Vers sucht, wird bei unserem Ratgeber zum Trauspruch fündig. Der Trauspruch ist allerdings etwas anderes: Er steht am Anfang des Gottesdienstes und wird gepredigt, nicht gebetet.

Die weltliche Variante bei der freien Trauung

Bei einer freien Trauung gibt es keine Liturgie, also auch keine Fürbitten im kirchlichen Sinn. Trotzdem wollen viele Paare den Moment, in dem Gäste selbst zu Wort kommen. Er heißt dann Segenswunsch, guter Wunsch oder Wunschritual und hat drei Unterschiede zur Fürbitte:

  • Die Anrede wechselt. Angesprochen wird das Paar, nicht Gott. Aus Wir bitten dich wird Wir wünschen euch.
  • Der Antwortruf entfällt. Ohne Gemeinde gibt es niemanden, der einstimmt. Manche Redner setzen stattdessen eine kurze Pause oder ein gemeinsames Wort.
  • Der Platz ist frei wählbar. Meist stehen die Wünsche nach dem Ringtausch, kurz vor dem Schluss, weil die Zeremonie dort ohnehin ruhiger wird.
Redner mit Mikrofon an einem Tisch unter einer Stoffdekoration im Freien, ihm gegenüber stehen Braut und Bräutigam, ringsum sitzen Gäste
Bei der freien Trauung führt der Redner durch die Zeremonie, die guten Wünsche stehen meist nach dem Ringtausch

Sechs Wünsche, ebenfalls von uns geschrieben, die ohne religiösen Bezug auskommen:

  • Wir wünschen euch Abende, an denen keiner von euch aufs Handy schaut, und Gespräche, die länger dauern als geplant.
  • Mögt ihr in zwanzig Jahren noch dieselben Fragen stellen und über dieselben alten Geschichten lachen.
  • Wir wünschen euch ein Zuhause, an dem die Tür oft aufgeht und selten jemand hungrig wieder hinausgeht.
  • Wenn es schwer wird, wünschen wir euch den Satz, der die Sache klärt, und den Mut, ihn als Erster zu sagen.
  • Wir wünschen euch genug Streit, um ehrlich zu bleiben, und genug Versöhnung, um alles davon zu überstehen.
  • Möge euch nie die Neugier aufeinander ausgehen. Alles andere findet sich.

Diese Wünsche sind nicht dasselbe wie das, was ihr euch selbst versprecht. Die Wünsche der Gäste kommen danach und bleiben kurz: Drei bis fünf Sprecher mit je einem Satz wirken stärker als zehn mit je drei.

Fürbitten im Kirchenheft

Am Ende landen die Fürbitten auf Papier, und dort stellt sich eine Frage, die selten jemand stellt: Was davon druckt ihr ab. Der Ablauf, der Trauspruch und die Lieder gehören ins Heft, das ist unstrittig. Bei den Fürbitten gibt es drei Stufen, und die mittlere ist fast immer die richtige:

  1. Nur die Zeile Fürbitten im Ablauf. Reicht, wenn eure Gäste kirchlich geübt sind. Der Antwortruf fehlt dann allerdings.
  2. Die Zeile plus Antwortruf plus Namen der Sprecher. Die empfehlenswerte Variante. Alle können mitantworten, die Sprecher sind gewürdigt, und der Volltext bleibt gesprochenes Wort.
  3. Alle Fürbitten im Wortlaut. Braucht Platz und nimmt jedem Text die Wirkung, weil die Gäste ihn schon gelesen haben, bevor er gesprochen wird.

Zwei Fälle solltet ihr bewusst entscheiden. Die Fürbitte für Verstorbene ist gedruckt dauerhaft und für alle sichtbar, gesprochen dagegen ein Moment. Fragt die betroffenen Angehörigen, bevor ihr sie ins Heft setzt. Und Fürbitten mit den Namen von Kindern wandern nur mit deren Einverständnis ins Heft, denn das Heft nehmen die Gäste mit nach Hause.

Hochzeitsgäste in pinken Kleidern halten über einer Kirchenbank ein aufgeschlagenes Kirchenheft mit einem Foto des Brautpaars
Wer den Antwortruf schwarz auf weiß vor sich hat, spricht ihn auch mit

Wie das Heft insgesamt aufgebaut ist, welche Seiten es hat und was sonst hineingehört, steht ausführlich in unserem Ratgeber zum Kirchenheft. Hier nur der Terminhinweis, der mit den Fürbitten zusammenhängt: Das Heft kann erst in den Druck, wenn Sprecher und Antwortruf feststehen.

Absprache mit dem Pfarramt

Die Fürbitten sind der letzte Baustein des Gottesdienstes, aber sie hängen an Terminen, die viel früher liegen. Für die kirchliche Anmeldung gibt es keine vorgeschriebene Frist.[3] In stark gefragten Kirchen empfiehlt sich eine Anfrage etwa ein Jahr vorher, sonst reicht meist ein halbes Jahr. Ab da läuft dieser Fahrplan:

  1. 12 bis 6 Monate vorher: Termin und Kirche anfragen, bei konfessionsverbindender Trauung beide Pfarrämter gleichzeitig.
  2. 6 bis 3 Monate vorher: Traugespräch mit dem Geistlichen, der die Feier leitet. Hier wird das Ehevorbereitungsprotokoll ausgefüllt und die Gestaltung des Gottesdienstes zum ersten Mal besprochen.
  3. 3 bis 1 Monat vorher: zweites Gespräch, falls gewünscht. Hier gehören Lieder, Gebete und Fürbitten hin, dazu die Frage, wie viele Fürbitten die Gemeinde vorsieht.
  4. 4 Wochen vorher: Sprecher fragen, Texte einsammeln, laut gegenlesen und dem Pfarramt schicken.
  5. 3 Wochen vorher: Kirchenheft in den Druck geben, mit Antwortruf und Sprechernamen.
  6. Vortag oder Trautag: Zettel verteilen, Reihenfolge durchgehen, Mikrofon einmal ausprobieren.

Wenn ihr Standesamt und Kirche auf denselben Tag legt, zieht diesen Plan um zwei Wochen nach vorn. Am Trautag selbst bleibt zwischen beiden Terminen keine Zeit, noch etwas zu klären.

Ein letzter Hinweis, der euch Ärger erspart: Fragt im Traugespräch ausdrücklich, ob eure Texte vorher freigegeben werden müssen. Viele Gemeinden lesen die Fürbitten gegen, manche bringen eigene mit, und beides ist leichter zu hören, wenn es vier Wochen vorher kommt und nicht am Freitag davor.